DIE GEMA 3/3

Durch die Ereignisse der letzten Woche mussten wir den dritten und abschliessenden Teil unseres Gema-Exkurses etwas hinten an stellen. Aber hier ist er. Im zweiten Teil hatten wir ja den Berg Arbeit umrissen, den eine Verwaltung der Musikrechte und deren Verwertung mit sich bringt. Dafür gibt es Verlage und fast alle Analogsoul Künstler sind Teil eines Verlages und organisiert in der “Edition Analogsoul”. Wir haben mit Rajk Barthel vom Kick the Flame Musikverlag gesprochen, unserem Chef.

Rajk, in deinen Worten: Was ist ein Verlag, Was sind die Aufgaben eines Verlags?

Ein Musikverlag arbeitet mit Urhebern, wie Textdichter, Komponisten, Bearbeitern zusammen und hat die Aufgabe deren Musikwerke einer möglichst optimalen künstlerischen und wirtschaftlichen Verbreitung zuzuführen. Urheber übertragen dazu Nutzungsrechte an ihren Werken auf den Verlag, das sind z.b. grafisches Recht (Notendruck) und Aufführungs-, Sende-, mechanische- und Synchronisationsrechte.

Wie sieht dann der Arbeitsalltag eines kleinen 1 bis 2-Mann Verlags in Deutschland aus?

Für uns gestaltet sich der Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich und spannend, weil wir die ganze Bandbreite der Verlagsarbeit selbst planen und erledigen. Da wir genreübergreifend tätig sind und auch vor Notendruck nicht zurückschrecken, ist unser Tag wirklich bis zum Bersten gefüllt: Mit administrativen Aufgaben, wie Geschäftsleitung, Vertragsgestaltungen, Werkadministration / Rechteverwaltung (GEMA Anmeldung, Nutzungsmeldungen, Abrechnungskontrolle, Reklamation, Lizenzanfragen uvm.) über
Lizenzabrechnungen, Herstellung (Notenausgaben, Tonträger), Lagerhaltung, Versand, Werbung bis hin zu den Kreativen Aufgaben im A&R Bereich, dem engen Kontakt mit den Autoren, der Künstlerentwicklung und der Songauswertung vor allem im Syncbereich. Dazu kommen regelmäßige Fortbildungen und die Teilnahme an Messen und Branchentreffen.

Was erhält der Verlag für diese Arbeit und woher kommen diese Regelungen?

Der Verlag ist erfolgsbeteiligt und erzielt Erlöse aus dem Verkauf der Notenausgaben, erhält Anteile an den Tantiemen, die aus der Auswertung der Nutzungsrechte über die GEMA entstehen und Einnahmen aus der Vergabe von Filmherstellungsrechten, Werbenutzungen usw. Die Splittings für die unterschiedlichen Auswertungen werden im Verlagsvertrag festgelegt, dabei wird u.a. auf den GEMA Verteilungsplan Bezug genommen.

Wir haben die “Edition Analogsoul” bei dir im Verlag. Was ist eine Edition und wann und warum nimmst du eine Edition in deinen Verlag auf?

Editionen sind Unterverlage, bei denen die Editionswerke, unter einem eigenen Editionsnamen, getrennt von den anderen Verlagswerken geführt und abgerechnet werden. Editionen bieten die Möglichkeit für eine besondere Form der langfristigen Zusammenarbeit. Ich gehe sie nur ein, wenn ich von der Qualität der Musik überzeugt bin und auch menschlich alles passt.

Bild: Gema

Der oben angesprochene GEMA-Verteilungsplan bedeutet in der Praxis folgendes: Der Verlag erhält 33% der Tantiemen, die durch Livekonzerte erzielt werden, ebenso für “Airplay”-Tantiemen im Radio und 50% für Drittverwertungen wie Filme, Werbung und Fernsehen, sogenannte “Syncverwertungen”. Die 50% rechtfertigen sich dadurch, das es zur Arbeit des Verlags gehört, diese Aufträge zu akquirieren. Wir erhalten als “Edition Analogsoul” einen kleinen Teil des Umsatzes, den der Verlag mit unseren Künstlern erzielt.

 


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3 Antworten auf DIE GEMA 3/3

  1. Marcus sagt:

    alles 3 wirklich sehr gute artikel über die gema mit vielen interessanten fakten. was mich jedoch brennend interessieren würde wäre eine perönliche wertung eurerseits von dem gema-verwertungssystem.

  2. Julia sagt:

    An sich ist es ja gut, dass es eine staatliche Einrichtung gibt, die dafür sorgen sollte, dass Künstler für ihre Werke auch entlohnt werden. Und dass das bei so vielen verschiedenen Musikern, Werken und Nutzungsmöglichkeiten nicht einfach so auf einem Bierdeckel zu erledigen ist, kann ich auch verstehen. Aber das System scheint mir schon sehr ungerecht und überbürokratisch zu sein, um wirklich noch praktikabel zu sein. Außerdem sollte die GEMA eigentlich für und nicht gegen die Künstler arbeiten. Ist ja wie die GEZ…
    Da verdient wieder jeder dran, außer die die es sollten. Ich meine, es ist klar, dass man mit Musik nur selten reich wird und es auch nicht darum geht. Aber viele Künstler engagieren sich unglaublich für Kultur und Gesellschaft und müssen sehen wie sie klar kommen. Das sollte schon gerechter gewürdigt werden. Aber Kapitalverteilung ist ja nochmal ein anderes Thema in der sozialen Marktwirtschaft….

    Wie ist das eigentlich in anderen Ländern?
    Auch so umständlich?

    Danke für die Erklärung zur GEMA. Mit so etwas komplizierten beschäftige ich mich sonst nicht so gerne. ;-)

  3. Pingback: releasingarecord.de: Die Gema (3/3), Basteltag, Kalkulation und die Erlöse - recordJet Blog

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